Sich übermäßig verantwortlich fühlen als Reife oder Alte Seele (Teil 2)

In Teil 1 habe ich beschrieben, dass ein übermäßiges Verantwortungsgefühl nichts ist, worauf man stolz sein sollte. Ja, es rettet einem das eigene Selbstwertgefühl. Ja, man kann sich besser, weiter, gut-menschiger fühlen. Aber der Preis ist verdammt hoch.

Als jemand mit übergroßem Verantwortungsgefühl ziehst du Menschen an, die gern die Verantwortung abgeben. Und sonst zerrst du dran und holst sie dir.

Wera Nägler

Glaub mir, darin war ich Meisterin seit meiner frühen Kindheit. Es fühlte sich großartig an. Aber irgendwann spürte ich, dass ich in einer Sackgasse war. Dass es so nicht weitergehen konnte.

Und bei aller Schönfärberei, die ich betrieb, spürte ich: Ich kann auch für meine Coaching- und Therapiekund*innen gar nicht RICHTIG wirksam werden. Das war damals eine bittere Erkenntnis.

Verantwortlich fühlen – für wen alles?

Ich war auf der Forschungsreise, herauszufinden, für wen ich mich in meinem tiefsten Kern verantwortlich fühlte. Die ersten Personen waren – wie schon beschrieben – leicht. Sie waren mir bewusst. Sie fielen in die Kategorie „das sind meine Lieblings-Menschen und man kümmert sich umeinander“.

Dann fielen mir immer mehr Menschen ein. Auch einige, die ich eher blöd fand. Die ich unsympathisch fand. Hilfe! auch für die fühlte ich mich verantwortlich!

Hilfe! Mich verantwortlich fühlen, hatte anscheinend keine Grenzen!

Mehr aus Albernheit testete ich „mich verantwortlich fühlen für die Bäckereiverkäuferin von heute Morgen“. Treffer, versenkt!

Dann kam mir in den Sinn zu testen „mich verantwortlich fühlen für die Menschen in diesem Mietshaus“. Yes!
Mich verantwortlich fühlen für die Menschen in unserer Straße. Yes!
Mich verantwortlich fühlen für die Menschen in diesem Stadtteil. Yes!

Ich hatte keine Anleitung. Nur meinen Instinkt. Und ich testete immer weiter. Innerlich fing ich an zu weinen

Ich hätte nie erwartet, was mein „Ergebnis“ war. Denn nichts hatte mich darauf vorbereitet. Es gab damals niemanden, den ich fragen konnte.

Also testete ich immer weiter – und jeder Satz begann mit „mich verantwortlich fühlen für …“. Ich nahm auch rein „ich BIN verantwortlich für …“. Es war in diesem Fall die gleiche Programmierung. Diese „Frequenz“ fühlte sich für mich identisch an. Denn manchmal macht ein Wort einen Unterschied. In diesem Fall nicht. Aber vielleicht ist das bei dir anders.

Spüre in dich hinein. Bei welcher Formulierung hast du die meiste Resonanz?

Immer mehr Sätze mit „verantwortlich fühlen …“ sprudelten aus mir heraus.

Immer mehr, immer „verrückter“, immer größer.

Bis nichts mehr da war außer dem letzten Satz.

Als es raus war, habe ich geweint. Weil ich das von mir nicht gewusst habe.

Weil ich das nie gemerkt habe.

Weil mich nie jemand darauf hingewiesen hatte.

Weil es so falsch war.

Weil es sich so richtig anfühlte.

Weil ich mich schämte.

Weil es sich so hoffnungslos anfühlte.

Meine letzte, verzweifelte Testfrage damals …

Ich weiß noch, dass ich diese letzte Testfrage stellte, um mich zu widerlegen. Und weil ich nicht anders konnte, als diese unbewusste Programmierung in mir, die ich entdeckte hatte, bis in die allerletzte Konsequenz zu erforschen.

Ich weiß noch heute, wie ich hoffte, dass mein System endlich ein „nein“ anzeigen würde.

Verantwortlich fühlen für die Menschen in dieser Stadt. Yes!
Verantwortlich fühlen für die Menschen in Niedersachsen. Yes!
In Deutschland. Yes!
In Europa. Yes!
In der ganzen Welt. Yes!

Verantwortlich fühlen für Gott, das Universum und die ganze Welt. Yes.

Ich weiß noch, dass mir beim Aussprechen eiskalt wurde. Dass ich die Wahrheit einen Bruchteil vorher spürte, bevor der Test es mir anzeigte:

„Ich fühle mich verantwortlich für Gott und alle Menschen auf dieser Welt.“

Jetzt war es raus!

Das war damals schockierend für mich.

Und gleichzeitig unendlich heilsam. Erleichternd.

Denn endlich hatte ich aufgedeckt, was mir die Kraft raubte, die Leichtigkeit, die Freude und ich wusste: jetzt kann es sich drehen.

Wera Nägler

Und glaub mir, ich habe ganz schön was zu tun gehabt, diese Programmierung und Aufträge abzulösen. Also in diese Tiefe zu kommen. Denn die Ursache dafür, die ist dem Bewusstsein, dem Verstand völlig verborgen. Und selbst wenn du es weißt, nützt es dir nichts, weil der Verstand dort, wo es entstanden ist, nichts aber auch gar nichts ausrichten kann.

Es gab keine Anleitung. Es gab keinen, der mir sagte oder zeigte, wie und woher die Ursachen stammen. Und vor allem, wie man dieses Programm beenden kann.

Karmisch, systemisch und seelisch – überall musste ich gründlich an die Ursachen

Bei mir wurde es erst anders, als ich die karmischen Ursachen beseitigt hatte. Noch einfacher wurde es, als ich die systemischen Themen in meinem Familiensystem zu diesem Oberthema geheilt habe.

Und vor allem, als ich mir das dann noch einmal auf der Seelenebene anschaute. Das war mein letztes i-Tüpfelchen. Denn als Seelenrolle „Priester“ hatte ich da einiges gerade zu rücken.

Und als Reife Seele (Seelenalter Reif 7, wem das was sagt), war es auch an der Zeit, mit diesen alten Mustern aufzuhören. Und dazu musste ich sie anscheinend noch einmal in voller Version erleben.

Und ich landete tief in früheren Inkarnationen. Ich wusste es damals nicht, aber ich erforschte sehr unbewusst, wo und wie es sich anfühlt und auswirkt, wenn das mit der Selbstverantwortung erst gelernt wird. Und dass es um viel viel mehr geht und dass sich verantwortlich fühlen ein Stein auf diesem Weg ist.

Sich verantwortlich fühlen in verschiedenen Seelenaltern

Erleben, dass ich mich verantwortlich fühlen kann. Das ist beispielsweise als Säuglings- und Kindseele kein Lernthema. Als Junge Seele steht nach meiner Erfahrung im Vordergrund, keine Verantwortung für sein Handeln und Nichthandeln zu übernehmen.

In diesem Seelenalter machen wir diese vielen Erfahrungen als Seele, die dann im älteren Seelenalter uns über uns-damals so entsetzt sein lässt. Aber wir können das als Reife und vor allem Alte Seele deshalb heute nicht mehr, weil wir die Erfahrung gemacht haben, wie mächtig und als Bewertung: wie zerstörerisch wir früher damit umgegangen sind. Denn wir konnten alles das tun, weil wir eben nicht verantwortlich waren. Weil wir das nicht sein KONNTEN. Diese Zeit kam erst später. Und an dieser Erinnerung sind wir immer dichter dran.

Und vor allem haben wir oft dafür gesorgt, dass wir durch sehr wirksame – teils selbst gesetzte – Limitierungen nie wieder diese Macht und Größe erhalten. Dazu haben wir oft eine Art „Büßer-Programm“ kreiert. Aber glaub mir, das klingt zwar „logisch“, ist aber totaler Quatsch, denn so funktioniert es nicht.

Heute ist es als Reife und Alte Seele unsere Aufgabe, in unsere Größe und in unsere Liebe zu gehen.

Wera Nägler

Die alten, karmischen Erfahrungen haben uns geholfen, überhaupt erst diese Reife zu erlangen. Moralische Bewertungen sind völlig fehl am Platz. Denn gerade diese Erfahrungen – sowohl als Opfer, als auch als Täter – haben überhaupt erst dazu geführt, dass wir sind, wer wir sind: eine Reife Seele oder eine Alte Seele.

Reife und vor allem Alte Seelen können sich meist nicht verzeihen

Ältere Seelen sind oft bewusst oder unbewusst in den alten Erinnerungen angedockt. Da bleiben sie hängen, weil sie ihr „damals“ an ihrem „heute“ messen. Und sich verurteilen. Und da hängen nach meiner Beobachtung viele ältere Seelen. Und gleichen es aus – siehe mein Beispiel – durch Verantwortung übernehmen für alles und jeden.

Bei mir war es anscheinend wichtig, dies noch einmal bewusst zu leben. Die Euphorie des Helfens, des Verantwortung übernehmen. Das Gefühl, etwas auszugleichen. Die unbewusste Selbstverurteilung, die so schmerzhaft ist, dass man sich lieber um alle Menschen kümmert, nur nicht um sich selbst.

Um dann zu erkennen: Ja, jetzt kann ich es lassen.

Und es hat mir so unendlich gutgetan.

Es hat mir die Freiheit geschenkt.
Und den Menschen, für die ich mich verantwortlich fühlte, hat es auch die Freiheit gegeben.

Und das galt es für mich zu lernen.

Und das lerne ich immer noch. 😊

Wie ist das bei dir? Hast du damit was zu tun? Oder betrifft es dich gar nicht?

Eine zweite, sehr viel spätere, „Forschungsrunde“ zeigte mir noch mehr

Also die unbewusste Programmierung „Ich fühle mich verantwortlich für alle Menschen auf dieser Welt.“ ist schon der Hammer, das kann ich dir sagen.

Es dauerte noch etwas, bis mir klar wurde, dass da noch mehr dranhängt.

Kannst du noch? Willst du das noch wissen?

Lass uns das im nächsten Beitrag (Teil 3) etwas genauer anschauen.

Wera Nägler

Wera Nägler, seit über 20 Jahren wandelbare Solo-Unternehmerin, vermittelt ihr Wissen, wie man emotionale Probleme so löst, dass man sich klar, zufrieden und souverän fühlt. Reife und Alte Seelen können sich besonders gut wiederfinden.
Sie bringt Menschen dazu, aktiv zu werden und nutzt als Trainerin, Coach und Autorin alle Möglichkeiten, um neue Wege und frische Perspektiven zu vermitteln.

Sie ermutige ihre Kund*innen, aus unergiebigem und destruktivem Denken auszusteigen. Damit das gelingt, lehrt sie, wie man am Verstand vorbei direkt ins Unterbewusstsein kommt, um dort wirklich etwas zu verändern.
Wera Nägler

5 Comments

  • Mario

    Reply Reply 28.04.2019

    Ja die reifen Seelen setzten sich gerne mit der Verantwortung aus. Wenn auch oft nur unbewusst.

    Die alte Seele hat aber schon ziemlich die Nase voll von Problemen und zieht sich mehr in die Einsamkeit zurück, wie ein uralter Mensch. Sind dafür aber noch empfindlicher als die reifen Seelen. Traumatisierungen sind für alte Seelen fatal, wegen der enorm differenzierten Introspektion eine Katastrophe!

    Das alles verstärkt sich noch wer die Urangst vor Wertlosigkeit (Märtyrertum) gewählt hat.

    Zum Beispiel:

    Jesus von Nazareth (Alt 7 Heiler, letzte Inkarnation) hatte die Urangst Ungeduld/Märtyertum
    Seelenfamilie-Aufgabe: Vergebung und Verzeihung, aber auch sich schuldig zu machen

    Die Könige sind in seiner Seelenfamilie in der Überzahl vertreten.

    Er hatte die Seelenfamilieaufgabe mit voller Hingabe gewidmet. Sein Entwicklungsziel “Akzeptieren” kam ihm sehr gut an.

    Bei sehr niedrig schwingenden Menschen ist es schon
    eine Herausforderung, in der Liebe zu bleiben. Im Sein sein. Er wurde angespuckt, geschlagen, etc. …
    Es ist tatsächlich so. Denn sie wissen nicht, was sie tun… (junge Seelen) hat Jesus gesagt, kurz vor der Kreuzigung.

    Aber auch die Urangst vor Verletztwerden (Hochmut) gibt es da Ähnlichkeiten.

    • Wera Nägler

      Reply Reply 29.04.2019

      Ja, Mario, toll beschrieben. Die Erfahrung habe ich bei meinen Kund*innen auch machen können, dass die Alten Seelen nicht mehr so sehr auf “Verantwortungs-Jagd” sind. Allerdings in Alt 1 und teils in Alt 2 ist mir häufiger begegnet, dass sie mit sich hadern, dass sie es nicht mehr können, weil ihnen die Kraft fehlt. Also der Impuls scheint noch da zu sein.

      Erst die späteren Alten Seelen haben aus sich heraus nicht mehr dieses Bedürfnis, sich “einzumischen”. Das sind die Erfahrungen, an denen ich teilhaben durfte und die ich ein Stück weit so für mich “kategorisiert” habe – wobei auch das nur eine Hilfestellung ist und alles so oder komplett anders möglich ist :-).

      Was meint ihr dazu? Denn ich meine: Wissen tun wir es doch alle nicht 😉
      LG, Wera

  • Annette

    Reply Reply 29.04.2019

    Ich hatte dieses Gefühl als sehr junger Mensch noch stark. So mit 15/16 war ich verzweifelt, weil ich mich innerlich so allein fühlte und mir immer klarer wurde, daß ich das eins-sein in einer Gruppe nicht nachvollziehen kann und auch niemandem wirklich helfen kann, weil wir alle nur mit uns selbst vom ersten bis zum letzten Atemzug zusammen sind. Als ich dann Gott (nennt es für Euch, wie Ihr wollt) begegnete, war das eine elementare Erleichterung, weil endlich jemand da war, dem ich die Verantwortung für die Welt zutrauen und abgeben konnte.
    Seitdem hadere ich -wie Du auch beschreibst- gelegentlich mal damit, daß ich das Gefühl habe, vielleicht zu wenig interessiert oder involviert zu sein, aber ich habe einfach keine Lust (mehr) und bin im Frieden damit. Andererseits bin ich genauso gelegentlich überrascht, wenn ich merke, daß ich jemandem doch tatsächlich helfen konnte, gerade weil ich aus dem inneren Abstand heraus zugehört und geantwortet habe. (Vielleicht ist das aber auch wieder dieses “möglichst neutrale” Gelehrten-Ding, hatten wir ja gestern schonmal 🙂 ).
    LG, A.

  • Kathrin

    Reply Reply 04.05.2019

    Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Ich ertappe mich selbst häufig dabei, meinen Mitmenschen gerne mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Jemand schildert mir ein Problem, oder erzählt einfach, was ihn so grade beschäftigt und in mir fängt es an zu kribbeln. Häufig fällt mir tatsächlich etwas sinniges dazu ein, weil ich mich selbst damit schon mal beschäftigt habe. Oder ich mache mich auf die Suche nach einer Antwort, auch wenn ich gar nicht darum gebeten wurde. Manchmal merke ich mittlerweile, das mein Gegenüber dann gar nicht so auf meine Hilfe/ Antworten erpicht war. Was mich dann auch manchmal ärgert, weil ich denke, dass es diesem Menschen doch mit dem Nachgehen meines Ratschlages viel besser gehen würde, weil die Antwort doch so logisch ist. Ich arbeite auch im Kundenverkehr. Auch dort fühle ich mich immer verantwortlich. Was in diesem Fall sehr positiv angenommen wird.
    Geht es Mitmenschen in meiner Umgebung schlecht, hab ich auch gerne mich dafür verantwortlich gefühlt. War ich zu unaufmerksam, war ich zu oberflächlich? Selbst Menschen, die ich eigentlich als unangemehm empfand, fühlte ich mich verantwortlich gegenüber.

    Das ist zum Glück nicht mehr so. Ich halte mich mittlerweile mehr zurück. Da hat mir eine Therapie geholfen, da ich unter diesem Druck doch sehr gelitten habe. Ich hinterfrage mich da jetzt auch mehr. Aber wenn mich da ein Thema/Problem sehr interessiert, ich aber merke, dass mein Gegenüber sich eigentlich nur mitteilen wollte, aber gar keine Hilfe von mir verlangt, dann gehe ich so ein Thema häufig innerlich mit mir trotzdem durch. Keine Ahnung. Ich kann das irgendwie nicht anders.

    • Wera Nägler

      Reply Reply 05.05.2019

      Liebe Kathrin, das, was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Du klingst fast wie ein Zwilling von mir (oder ich von dir) 😉
      Gut, dass wir’s aber immer mehr merken. Ich kann nur sagen, dass es sehr schön ist, aus diesem Muster ziemlich gut raus zu sein. Vom “Glorienschein” wie toll ich bin und wie dankbar/undankbar der Andere ist, bin ich weit weg und merke seit da an erst, wie stark damals durch meine Muster meine Lebensqualität gelitten hat.
      Also viel Neutralität, Gelassenheit und Leichtigkeit für uns “Ex-Übermässig-Helferinnen”. 😉 LG, Wera

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